Die Bedeutung der Schlacht von Dinklar für die Region

Sie war wohl eine der bedeutendsten Schlachten des Mittelalters im norddeutschen Raum. Unverständlich ist, daß darüber so wenig berichtet wurde und bis heute veröffentlicht ist. Eine Niederlage an diesem 3. September des Jahres 1367 hätte für das Bistum Hildesheim schwerwiegende Folgen gehabt, vielleicht sogar das Ende des Hochstifts bedeutet. Die geografische Lage des Bistums und seine Struktur waren äußerst labil.

Eingekeilt zwischen den welfischen Herzogtümern, Braunschweig im Osten, Kahlenberg im Westen und Grubenhagen im Süden, die stets bemüht waren die alten Grenzen, die noch zu Heinrich des Löwen Zeiten existierten, wieder herzustellen und einer auf ihren Vorteil bedachten Landesritterschaft, war das Bistum keineswegs in sich gefestigt. Zwar hatte es im Süden in den Grafen von Wohldenberg einen verläßlichen Verbündeten, - die Grafen stellten häufig Domherren und stärkten das Bistum durch umfangreiche Schenkungen -, aber von militärischer Bedeutung konnte keine Rede sein. Die eigenen Festen Liebenburg bei Salzgitter, Marienburg an der Innerste, Lauenstein im Iht und Poppenburg bei Burgstemmen, mußten meist aus Geldmangel verpfändet werden. Die Ritterschaft setzte sich vornehmlich aus weitgehend autonomen Kleinadligen zusammen mit eigenem Grundbesitz.

Fast jeder Ort beheimatete einen Ritterhof, einige hatten es zu beträchtlichen Einfluß und Vermögen gebracht. Die Familien von Steinbach, Rautenberg, Escherde, Oberg, Walmoden, von Bock und Schwichelt waren durch wechselnde Lehensnahmen mal den Braunschweigern und mal dem Bistum oder beiden gleichermaßen zur Heeresfolge verpflichtet.

Die Ritterfamilien von Rössing und Rautenberg waren dem Bistum durch Domherrenplätze zwar verpflichtet, vertraten aber in erster Linie eigene Interessen. Die kleinen Grafschaften Hallermund und Spiegelberg hingegen hatten guten Grund mit dem Bistum verbündet zu sein. Ihre Eigenständigkeit war ebenso bedroht, wie das Bistum selbst. Der Kahlenberger erhob Ansprüche auf den festen Ort Kobenbrücke, obwohl keinerlei Rechtsanspruch bestand. Die Zolleinnahmen aus dem verkehrsgünstig gelegenen Ort Kobenbrücke liegt Eingangs des Iht an der Straße zwischen Hildesheim und Hameln und brachte durch Zollerhebungen den Grafen von Spiegelberg beträchtliche Einnahmen. Außerdem stachen die wildreichen Höhen, die zu der kleinen Grafschaft gehörten, dem Kahlenberger in die Nase. So taten die Spiegelberger Grafen gut daran, sich in dem nahe gelegene Hochstift einen starken und verläßlichen Verbündeten zu versichern.

Der Angriff auf das Bistum, an dem fast alle nördlich des Harzes gelegenen Adelsgeschlechter einschließlich der Bistümer Magdeburg und Halberstadt teilnahmen, läßt die Vermutung zu, daß hier nicht eine vorgeschobene Bestrafung für das Räuberunwesen, das von einzelnen Rittern zweifellos ausgeführt wurde, beabsichtigt war, sondern die Aktion dem Stift und seinen Ländereien galt.

Die Ansammlung eines so großen Heeres, - die Verbündeten hatten mehr als 2000 Helme aufgeboten, mit Troß und Anhang gut noch mal so viel -, waren für das Mittelalter in Norddeutschland ungewöhnlich und mußte auch für die Stadt Hildesheim eine direkte Bedrohung darstellen. Daher wohl auch der Schulterschluß der Hildesheimer Bürgerschaft mit ihrem Bischof. Die Stadt war durchaus kein braves Kind, in der Vergangenheit hat es herbe Auseinandersetzungen mit dem Oberhirten gegeben, zwei Vorgänger Gerhards mußten bei Nacht und Nebel fluchtartig die Stadt verlassen, um nicht von den aufgebrachten Bürgern verprügelt zu werden, wenn nicht noch Schlimmeres.

Die Stadt war sehr auf ihre Eigenständigkeit bedacht und nicht geneigt, sich unter den Krummstab zu beugen. Es bedurfte schon einer massiven Bedrohung von Außen, um die Hildesheimer Bürger zu überzeugen, daß ein erheblich höheres militärisches Engagement erforderlich war, als für die reine Verteidigung der Stadtmauern notwendig.

Daß es dem Bischof gelang, das Gros seiner eigenwilligen Ritterschaft zu mobilisieren, an deren Starrköpfigkeit und Rauflust sein Vorgänger nach nur einem Jahr Amtszeit scheiterte und das Handtuch warf und um seine Entlassung bat, weil er mit “den Gepflogenheiten" des Landes nicht zurecht kam, ist wohl seiner Persönlichkeit zuzuschreiben. Bischof Gerhard muß eine besondere Ausstrahlung gehabt haben, daß er mit diesem eigenwilligen, aus alten sächsischen Bauernadel hervorgegangen Landjunkern zurecht kam. Der Sieg bei Dinklar hat sicherlich seine Stellung in der Stadt gefestigt.

Nach dem Sieg mit den Unterlegenen machte er einen billigen Frieden und gab die Gefangenen für ein verhältnismäßig kleines Geld frei. Das sicherte ihm einen längeren Frieden, der ihm die Möglichkeit gab, die inneren Belange des Bistums zu ordnen. Gerhard von Berg war einer der wenigen Bischöfe von Hildesheim dem es gelang, die Grenzen des Bistums zu festigen. Ein wesentlicher Schritt dazu war die Errichtung der Burg Steinbrück am Ufer der Fuhse und einer steinernen Brücke über den Fluß (finanziert durch Lösegelder), die der Burg den Namen gab.

Ferner erfüllte er einen von allen Seiten geforderten Wunsch, - die Zerstörung der Raubnester Bodenburg und Wallmoden. Mit dieser Maßnahme machte er allen denjenigen klar, daß er nicht gewillt war Freibriefe an Teilnehmer an der Schlacht zu verteilen, seien ihre Verdienste an dem Ausgang der Schlacht auch hoch.

Mit strengen Maßnahmen gegenüber räuberischen Adligen schaffte er es, die Übergriffe in Grenzen zu halten. Zu treuen Anhängern wurden die Landedelleute nie, die eigenständige Lehenunabhängigkeit führte immer zu kleineren Unruhen. Zeitlebens mußte der Bischof gegen seine eigenen Ritter zu Felde ziehen, um die Ordnung im Land aufrecht zu erhalten.