Die Vorbereitungen zur Schlacht:

Die Braunschweiger gingen verhältnismäßig unbekümmert und nicht sehr zielgerichtet vor, sie provozierten die Hildesheimer durch Plünderungen und Verwüstungen des östlichen Hildesheimer Gebietes, bevor sie das Lager bei Dinklar bezogen. Der Bischof von Hildesheim hatte nur wenige Verbündete, schien unvorbereitet. Die meisten seiner Vasallen standen auch in der Lehensschaft der Welfen.

 

So war wohl nur ein Verwüstungszug zur Vernichtung der Stiftsgüter und die Demütigung des Bischofs von Hildesheim die eigentliche Absicht. Der Bischof sollte gezwungen werden, das Freibeuterwesen seiner Lehnsleute zu unterbinden. Ihn empfindlich zu schädigen war das Ziel, damit er dieser Forderung nachkam.

 

 

 

Die Hildesheimer waren durch ihr klerikales Informationsnetz bestens informiert über die Vorgänge. Durch das riesige Heer der beutegierigen Braunschweiger muß sich jeder Hildesheimer Stiftszugehörige bedroht gefühlt haben.

Dem Stadtgesetz bei Kriegsgefahr entsprechend tagte der Rat der Stadt in einem Turm. Die erfahrenen Stiftsritter schätzten die Lage ein und trugen ihren Plan der Bürgervertretung vor. Einige Domherren hatten in Paris, Avignon und Montpellier studiert und mit Sicherheit Kenntnisse über die Schlachten von Kortrijk, Bannokburn, Laupen, Crecy und Poitiers und deren Ausgang, dort siegten Fußvolk und Schützen über die Berittenen.

Alle Überlieferungen berichten von einer ruhigen Vorbereitung in der Stadt. Die Zeit reichte aus, um alle Gewappneten selbst von Dassel, Lutter, Winzenburg, Woldenberg, Woldenstein und Liebenburg aus in Marsch zu setzen. Es blieb Zeit, die Bürger genau auf ihren Einsatz hin zu instruieren, sie mit ritterlichen Führern vertraut zu machen, an die sie sich halten sollten. Die Moral wurde durch Weihe, Hochmesse, Marienanrufung, Reliquienprozession, Predigt und Sündenvergebung aufgebaut.

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[Das Schlachtfeld befindet sich hinter den Chausseebäumen zwischen Dinklar und Farmsen!]

Die Schlacht

 

Mit ruhiger Zuversicht bestiegen die Hildesheimer nachts die Streitwagen. Ohne Glockengeläut holperten etwa 30 Kriegswagen, gezogen von jeweils vier Pferden, besetzt mit je 20 gerüsteten, kräftigen Bürgern, westwärts. Voran ritt der Bischof mit den Domherren, deren Pagen und Schützen. Im Feld vor den Zäunen wurden die Feuer der lagernden Stiftsritter gelöscht, deren Reiter in Kolonnen schon zum Üppener Pass abrückten. Ältere Jahrgänge bezogen Wache auf Mauer und Toren.

Bis nach Wendhausen und Ottbergen kam der Zug ohne gesichtet zu werden. Über der feuchten Niederung schwebten Morgennebel. Selbst wenn die Kolonne der Streitwagen zwischen Wendhausen und Ottbergen erkannt worden wäre, blieb den Lagernden nur wenig Zeit sich zu rüsten. Bis dahin waren die Stiftsreiter an Farmsen vorbei und standen auf dem Windmühlenfeld, die Fluchtrichtung flankierend, ehe auch nur zwei Dutzend Schnellentschlossene aus dem verbarrikadierten Lager entflohen.

Streitacker

In den urkundlichen Ersterwähnungen nennt sich die Schlacht nach Farmsen und nicht nach Dinklar. Daraus folgt, daß der Kampf bei Farmsen an der östlichen Hauptlagerpforte begann. Die Stelle wird heute noch als „Streitmorgen" in der Flurkarte verzeichnet. Die Chroniken berichten von einem Angriff mit Fußvolk. Um mit aller Kampfkraft aufzulaufen, mußte das Fußvolk möglichst nahe an die Wagenburg herangebracht werden. Es kommt leiser an die Überraschten heran, als die wiehernden Hengste mit schlagenden Steigbügeln.

Das freie Feld möglichst schnell zu überwinden gab eine gewisse Sicherheit, nicht von feindlichen Reitern angegriffen zu werden. Wurde ein Rückzug nötig, konnte sich das Fußvolk in das Vorholz flüchten und über den Höhenkamm ungefährdet von Reitern die Stadt erreichen.

Mit dem Vorstoß der Spießträger, die schließlich von den Belagerten entdeckt wurden, setzten sich auch die Hildesheimer Reiter in Trab. Es galt, den Windmühlenhügel östlich von Farmsen zu gewinnen und dabei Panik zu verbreiten. Was schon im Sattel saß, in Farmsen aufgescheucht, oder aus dem Lager hervorbrechend, wurde abgestochen, manch Vornehmer abgefangen und nach Ottbergen geschleift. Die Wirkung auf die Lagernden entspricht den Erwähnungen der Magdeburger Bischofschronik: - unüberlegte gruppenweise Gegenattacken und Massenflucht. Zwar bot das Lager genug Raum um Widerstand zu leisten, der aber schließlich doch gebrochen wurde. Die Masse der Braunschweiger floh ungeordnet.

Je nachdem, wo die einzelnen Bannerherren lagerten, gelang die Flucht. Wenn nicht, wurden sie gefangen. So die Halberstädter, die sich zum Schluß bei der Verteidigung von Dinklar ergeben mußten und der Herzog Magnus, dem schon der erste Angriff in Farmsen jede Bewegungsfreiheit nahm. Was noch aufsitzen konnte, gerüstet und halb nackt, flüchtete zum Farmser Tor, um aus der Lagerfalle zu gelangen. Den kühlen Köpfen war sicher der Kampfplan noch gegenwärtig, - sich auf dem Windmühlenfeld zu formieren -, aber dazu mußten sie hier raus! Die meisten sahen nur zu, der Gefangennahme und der drohenden Lösegelderpressung zu entkommen, was oft den wirtschaftlichen Ruin bedeutete. Etliche wollten mit der an den Vortagen gemachten Beute nur noch das Weite suchen. So quoll eine Masse von Berittenen, dazwischen Gesinde zu Fuß, auf Schellerten und Dingelbe zu. Gezielt wurde verfolgt, wer wohlhabend erschien.

Es muß erklärtes Ziel der Hildesheimer gewesen sein, die panische Flucht im Gang zu halten, in der man auf Lösegeld-”Kandidaten” fischen ging. Wenn der Gegner in die Enge getrieben sich bis zuletzt wehren würde, kostete das viel Blut. So waren die meisten Toten Troßknechte und Krieger, die nicht mehr in den Sattel kamen und von den Bürgern niedergemacht wurden.

Normalerweise wurde alles getan, um die hochgestellten Herren nicht in die Hände des Siegers fallen zu lassen, wie bei den Bischöfen und dem Herzog. Ihr Standort im Lager ließ eine Flucht offenbar nicht mehr zu. Wenn diese ihr Quartier, wie vermutet, in Dinklar und Farmsen bezogen hatten, die gute Verteidigung gewährleisteten, kamen sie zunächst nicht auf den Gedanken zu flüchten. Sie wähnten sich in günstiger Abwehrstellung und mußten für diesen Irrtum im wahrsten Sinne des Wortes zahlen.

Für die Hildesheimer war eine weitergehende Verfolgung der Flüchtenden wegen anrückender Verstärkung durch Herzog Albrecht von Grubenhagen gefährlich. Zudem zog ein Unwetter auf. Man hatte keine Reserven den eventuell plötzlich auftauchenden Reitern entgegenzusetzen. Die gefangengenommenen Fürsten garantierten genug Lösegeld und die Erfüllung aller Hildesheimer Forderungen.

Hans von Honlege, Ludolf von dem Knesebek und Dietrich Sporeke schlugen sich nach der welfischen Burg Lichtenberg durch. Das siegverheißende Mauritius-Banner Magdeburgs wurde gerettet.

Hätte eine gemeinsame Autorität den Oberbefehl im Lager der Braunschweiger gehabt, hätte der Angriff abgeschlagen werden können, die Lagernden waren ja in der absoluten Überzahl.

Aber es war anders gekommen. und das hatte Konsequenzen für die Region ...